Anreise und Fahrerlager
Am Donnerstag, den 18. Juni, ging es endlich wieder nach Chenevières.
Die Anfahrt führte entspannt über die Landstraßen Frankreichs. Im Fahrerlager angekommen hieß es zunächst: Platz suchen und aufbauen. Der Untergrund besteht hier größtenteils aus Schotter, was das Rangieren mit Motorrad und Equipment nicht gerade einfacher macht.
Bereits am Abend zeigte das Thermometer, wohin die Reise an diesem Wochenende gehen würde. Es war heiß. Alle Fenster des Campers wurden geöffnet, um wenigstens etwas Luftzirkulation zu erzeugen.
Wie so oft gehören die Gespräche im Fahrerlager genauso zum Event wie die eigentliche Fahrzeit. Bei einem kühlen Bier wurde mit Bernd über seine Yamaha R1 RN22 aus 2011 und mit Torsten („Dorschdä“) über seine BMW S1000RR gefachsimpelt. Technik, Erfahrungen und die üblichen Benzingespräche eben. Erst gegen 0:30 Uhr wurde es Zeit für die Nachtruhe.
Tag 1 – Temperaturen am Limit
Trotz der Hitze war die Nacht überraschend angenehm. Ein leichter Luftzug sorgte dafür, dass bis 7 Uhr geschlafen werden konnte.
Nach einer Dusche und den ersten Gesprächen mit Martin, der mit seiner BMW S1000RR angereist war, begann die übliche Morgenroutine. Motorrad vorbereiten, Reifenwärmer montieren, Luftdruck kontrollieren und anschließend Kaffee, Wasser und ein Croissant an der Anmeldung organisieren. Nach der Fahrerbesprechung ging es endlich auf die Strecke.
- Der erste Turn diente zum Einrollen. Motorrad, Fahrer und Strecke mussten sich zunächst wieder aneinander gewöhnen. Bereits jetzt lagen die Temperaturen bei rund 30 Grad.
- Im zweiten Turn lief alles entspannt und problemlos, allerdings musste die grüne Gruppe nach einem Sturz vorzeitig abgebrochen werden. Sobald das Motorrad in der Box stand, sprang regelmäßig der Lüfter im Nachlauf an. Der Helmlüfter wurde zum ständigen Begleiter.
- Auch der dritte Turn verlief sehr gut. Lediglich die Kupplungshand begann sich bemerkbar zu machen. Die hohen Temperaturen machten jede Bewegung anstrengender. Nach jedem Stint hieß es daher: Schatten suchen, trinken und irgendwie versuchen, den Körper herunterzukühlen.
Nach der Mittagspause erfolgte der Wechsel in die grüne (schnelle) Gruppe.
Dort lief es überraschend gut. Die K7 fährt sich deutlich entspannter und harmonischer als die vorherige K6. Das Motorrad vermittelt mehr Ruhe und Vertrauen, was gerade bei diesen Bedingungen Gold wert ist.
- Im vierten Turn zeigte sich jedoch schnell, dass das Fahren in einer anderen Gruppe auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Die Dynamik auf der Strecke ist eine andere und verleitet teilweise dazu, Dinge zu erzwingen. Genau daraus entstehen Fehler. Die Kupplungshand schmerzte weiterhin und der Kupplungshebel musste später noch feinjustiert werden. Zusätzlich begann die Tankanzeige bereits zu blinken.
- Der fünfte Turn wurde zur Hitzeschlacht. Sobald der eigene Rhythmus passte, lief es gut. Nach einigen Anpassungen an Kupplungs- und Bremshebel fühlte sich das Motorrad deutlich angenehmer an.
- Besonders interessant wurde der sechste Turn. Torsten übernahm das Coaching. Zunächst fuhr er hinter mir, anschließend vor mir. Dabei wurden andere Linien, andere Kurveneingänge und teilweise völlig andere Anfahrten sichtbar. Einige Kurven lassen sich deutlich weiter „hinterfahren“, als ich sie bislang gefahren bin. Solche Sessions sind oft wertvoller als jede technische Änderung am Motorrad.
Spanferkel, Benzingespräche und Stromausfall
Nach dem Training wartete das traditionelle Spanferkel auf die Teilnehmer. Absolut verdient nach diesem heißen Tag und wie immer ein perfekter Anlass für ein gemeinsames „get-together“.
Besonders spannend waren die Gespräche mit den schnellsten Fahrern der Veranstaltung. Interessant ist dabei immer wieder die Erkenntnis, dass selbst sehr schnelle Fahrer oft ratlos vor noch schnelleren Piloten stehen. Die Fragen bleiben die gleichen: Wie machen die das? Wo finden die noch Zeit? Warum funktioniert das dort besser?
Egal auf welchem Niveau man unterwegs ist – irgendwo gibt es immer jemanden, der noch schneller ist.
Für zusätzliche Unterhaltung sorgte in der Nacht allerdings ein kompletter Stromausfall im gesamten Vorplatzbereich. Kühlboxen liefen heiß , Lebensmittel wurden warm und die Neuankömmlinge standen vor einigen Problemen.
Besonders ärgerlich war, dass der Betreiber nicht erreichbar beziehungsweise nicht kooperativ war. Der Veranstalter hatte keinen Zugang zur Stromversorgung und konnte deshalb nicht eingreifen. Erst am nächsten Morgen gegen 8:30 Uhr erschien der Betreiber und schaltete die Anlage wieder frei. Zum Glück noch rechtzeitig vor Beginn des zweiten Veranstaltungstages.
Tag 2 – Noch heißer
Der Strom war wieder da und der Tag begann mit Kaffee und frischen Croissants.
Für den zweiten Tag wechselte ich wieder zurück in die gelbe (mittlere) Gruppe. Das passte besser zum eigenen Rhythmus und war insgesamt entspannter.
Danach wieder das übliche Ritual: Reifenwärmer montieren, tanken und Luftdruck kontrollieren.
Bereits der erste Turn zeigte, dass es nochmals heißer werden würde als am Vortag. Der zweite Turn lief gut, der dritte wurde aufgrund der extremen Temperaturen bereits verkürzt.
In der Mittagspause war an ein richtiges Essen kaum zu denken. Stattdessen standen Wasser, Elektrolyte, Salze und Magnesium auf dem Programm. Flüssigkeit wurde zum wichtigsten Werkzeug des Tages.
Die Kühlweste erwies sich dabei als absolute Geheimwaffe. Ergänzt durch eine wassergekühlte Bandana, in den Pausen, machte sie die Bedingungen deutlich erträglicher.
Trotzdem entwickelte sich nach jedem Turn die gleiche Routine:
Ankommen. Handschuhe ausziehen um den Helm öffnen zu können. Helm abnehmen. Airbagweste ausschalten und ausziehen. Kombijacke ausziehen. Arbeitshandschuhe anziehen. Die aufgesammelten Steine aus den Reifen entfernen. Reifenwärmer montieren. Anschließend den Helmlüfter vor den Kühler stellen, während der Motorradlüfter noch im Nachlauf arbeitet. Bandana und Kühlweste anziehen.
Ein hilfreicher Tipp bei extremer Hitze: Das Motorrad nach einigen Minuten nochmals kurz starten. Dadurch gelangt das inzwischen abgekühlte Wasser aus dem Kühler in den Motor und unterstützt die weitere Temperaturabsenkung.
Die Nachmittagsstints verliefen ordentlich. Jeder kämpfte mit den Temperaturen. Konzentration, Fitness und Flüssigkeitshaushalt wurden wichtiger als jede Rundenzeit.
Den letzten, siebten Turn ließ ich schließlich bewusst ausfallen. Die Hitze hatte allen Teilnehmern sichtbar zugesetzt und manchmal ist die vernünftigste Entscheidung, einen Turn weniger zu fahren.
Fazit
Chenevières 2026 wird mir vor allem als Hitzeschlacht in Erinnerung bleiben. Temperaturen deutlich über 30 Grad, ein nächtlicher Stromausfall und viele lehrreiche Kilometer auf der K7.
Besonders positiv: Das Motorrad funktioniert hervorragend und fährt sich deutlich entspannter als die K6. Das Coaching mit Torsten brachte neue Blickwinkel auf die Streckenführung und zeigte erneut, dass auf der Rennstrecke Lernen niemals aufhört.
Der Abbau auf dem heißen Asphalt wurde nochmals zur letzten Prüfung des Wochenendes. Danach ging es über die bequemere Autobahnroute zurück nach Hause. Zwar etwas länger, dafür deutlich entspannter.
Manchmal sind genau diese Wochenenden die besten: Viel fahren, viel lernen, gute Gespräche und am Ende erschöpft, aber zufrieden nach Hause kommen.

















