Mirecourt 2026 – Neues Wochenende, neuer Veranstalter, neue Herausforderung

Nach dem heißen Wochenende in Chenevières steht schon das nächste Highlight an. Dieses Mal geht es an den Circuit de Mirecourt, einer Strecke, auf die ich mich jedes Mal freue. Die Anreise ist bereits für Freitagabend geplant, damit wir in Ruhe das Fahrerlager aufbauen, das Motorrad vorbereiten und am Samstagmorgen ohne Stress in den ersten Turn starten können.

Eine Premiere gibt es ebenfalls: Zum ersten Mal nehmen wir an einem Trackday des französischen Veranstalters TP55 – Team Performance 55 teil.

Nach meiner Recherche genießt TP55 in Frankreich einen sehr guten Ruf. Hinter dem Veranstalter steht der ehemalige Endurance-Rennfahrer Franck Gaziello, der seine langjährige Erfahrung in die Organisation der Veranstaltungen einbringt. Gelobt werden vor allem die gute Organisation, eine entspannte Atmosphäre im Fahrerlager, sinnvoll eingeteilte Leistungsgruppen und viel Fahrzeit auf der Strecke. Gerade in Frankreich wird TP55 häufig als professioneller, aber gleichzeitig familiärer Veranstalter beschrieben – beste Voraussetzungen also für ein gelungenes Wochenende.

Lehren aus Chenevières

Das vergangene Wochenende hat einmal mehr gezeigt, welche Belastung Temperaturen von weit über 35 °C für Mensch und Maschine darstellen können. Vor allem in den Turnpausen stieg die Motortemperatur deutlich an, da ohne Fahrtwind kaum Kühlung möglich ist. Deshalb habe ich die Vorbereitung für Mirecourt noch einmal angepasst. Neu dabei ist ein leistungsstarker Zusatzventilator, der direkt vor den Kühler gestellt wird. Damit soll der Motor nach jedem Turn deutlich schneller herunterkühlen und die Kühlanlage entlastet werden. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen kann das helfen, die Technik zu schonen und entspannter in den nächsten Turn zu starten.

Die K7 ist bereit

Auch technisch wurde die GSX-R 1000 K7 noch einmal auf den neuesten Stand gebracht. Für Mirecourt kommen nagelneue TRW CRQ (MCB792CRQ) Bremsbeläge zum Einsatz. Diese Beläge wurden speziell für den Rennstreckenbetrieb entwickelt und genießen unter Trackday-Fahrern einen hervorragenden Ruf.

Mindestens genauso wichtig sind die Reifen. Für das Wochenende wurden neue Bridgestone Battlax Racing V02 Soft Slicks montiert. Der V02 gehört seit Jahren zu den beliebtesten Rennstreckenreifen überhaupt. Viele ambitionierte Hobbyfahrer und Rennteams schätzen ihn wegen seines sehr berechenbaren Fahrverhaltens.

Das Ziel für das Wochenende

Im Vordergrund steht natürlich der Spaß am Fahren. Gleichzeitig bietet das Wochenende die Gelegenheit, den neuen Veranstalter kennenzulernen und das überarbeitete Motorrad unter hoffentlich besseren Bedingungen als zuletzt zu testen. Nach den extremen Temperaturen in Chenevières wäre ein Wochenende mit 25 bis 30 Grad nahezu perfekt. Fahrer und Motorrad würden es gleichermaßen danken. Die Vorfreude ist jedenfalls riesig. Das Motorrad ist vorbereitet, die Bremsen sind neu, die Slicks montiert, der zusätzliche Kühlerlüfter ist eingepackt und der Camper wartet nur noch auf die Abfahrt am Freitagabend. Jetzt heißt es nur noch: Mirecourt – wir kommen!

2024 Mirecourt – first time …

Eine Woche zuvor (T-7): Das erste Mal Mirecourt… die Spannung steigt, die Veranstalterinfos flattern rein und wir sind alle guter Dinge, dass auch das Wetter mitspielt. Zudem haben wir mit allen eine große Box in der Boxengasse gebucht, damit wir notfalls alles in „trockenen Tüchern“ haben.

Tag 1 (T-0): Die Fahrt geht morgens um 04:00 Uhr los in Richtung Frankreich nach Mirecourt. Das Packen und Vorbereiten hat nach der Arbeit doch mehr Zeit in Anspruch genommen, sodass ich wetterbedingt auf die Vorabendanreise verzichtet habe.

Es fängt pünktlich bei der Abfahrt an zu regnen, sodass der Autobahnverkehr zwischendurch fast zum erliegen kommt, da die Scheibenwischer das Wasser nicht mehr verdrängen können. Zum Glück habe ich einen Kofferanhänger und die Ladung bleibt wenigstens trocken.

Nach 2:45 Std. Fahrzeit und ein paar baustellenbedingter Umwege habe ich das Ziel erreicht. In diesem Jahr haben wir eine 10er Box gemietet, was zwar auf den ersten Blick als Luxus erscheint, sich allerdings sehr gut anfühlt bei der unbeständigen Wetterlage.

Ausladen, Aufbauen, technische Abnahme, Transponder aufkleben … fertig. Nach der Fahrerbesprechung um 08:00 Uhr, geht es pünktlich um 09:00 Uhr los. Wir staten in der „langsamen“ Gruppe, da wir weder die Strecke noch entsprechende Rundenzeiten kennen. Der Veranstalter misst per Transponder die Rundenzeiten der Teilnehmer und koordiniert die Gruppen neu in der Mittagspause, so zumindest der Plan…

Turn 1: Beim ersten Turn lassen wir es ruhig angehen, um die Strecke erstmalig einschätzen zu lernen. Die Strecke ist schnell … zumindest schneller als die uns bekannten Strecken Anneau du RhinChambley und Chenevieres … und macht mächtig Spaß…

Turn 2: Was soll ich sagen… Pulkfahren ist nicht mein Ding. In der 2. Runde kommt es zur Kettenreaktion in einer Linkskurve. Ein paar Teilnehmern vor mir geht die Strecke (außen) aus und ich bin zu dicht dran. Bleibt nur der Weg ins Gras, nass, glitschig, mit Slicks…

Ergebnis: Fussrastenanlage beidseitig lädiert, Schalthebel abgerissen, Auspuff komprimiert,  Zwangspause…

Zum Glück habe ich mir beim letzten Training eine Airbagweste (HELITE E-GP-Air 2.0) gekauft. Ich kann sie nur empfehlen. Mir ist zu Beginn nicht aufgefallen, dass die Weste ausgelöst hat und sich danach selbständig wieder entleert hat. Dadurch dass die die Kartusche danach leer war, die Westenanzeige auf rot gesprungen ist und die fotographin einen Schnappschuss von mir gemahct hat, konnte ich es nachvollziehen. Wenigstens die Weste hat reibungslos funktioniert.

Die Schwellung am Fuss (Fuss war beim Umfallen unter dem Motorrad eingeklemmt) macht mir an diesem Tag zu schaffen, während ich eine passende Halteplatte für den Schalthebel und die Fussraste suche. Diese ist abgerissen und kein passendes Ersatzteil trotz Veranstalteraufruf (Whatsapp-Gruppe aller Teilnehmer) in Sichtweite.

Sogar mit dem selbstlosen Angebot meines Freundes, seine Ersatzmaschine (eine 750er GSXR) als Ersatzteilspender temporär zu missbrauchen, schlägt aufgrund der Passgenauigkeit fehl…

Glücklicherweise sind die Kollegen aus meiner vertrauensvollen Werkstatt auch am Start. Leider hat es den Kollegen richtig erwischt und er hat seine Honda in Einzelteile (nur einen Turn nach mir) zerlegt. Auf jeden Fall haben sie ein passendes Teil in ihrer Sammlung für mich übrig. Somit ist der Tag gerettet und es kann weitergehen.

Turn 5: Nach dem Motto „sitzt, passt, wackelt und hat Luft“ geht es in den Turn 5. Zunächst nochmal alles auf Funktion prüfen, bevor es auf schnellere Runden geht. Lediglich die Fussraste ist nach jedem Turn etwas locker, was sich mit einem Innensechskant jeweils schnell wieder in den Griff kriegen lässt.

Turn 6: Hier läuft es zum Tagesabschluss nochmal richtig rund. Eine erste Rundenzeit wird am Ende des Tages bekannt gegeben: 1:52, na also. Interessanter Weise hat ein Mitstreiter aus unserer Box fast die identische Zeit. Diese haben wir unabhängig von einander in jeweils anderen Gruppen gezaubert…

So stehen 1:52,384 von mir, zu 1:52,364 auf der Uhr also nur 2/100 Unterschied.

TIPP: bei wärmeren Tagestemperaturen ist ein Helmlüfter durchaus zu empfehlen…

Tag 2: Der Alltags-Rhythmus lässt mich nicht lange schlafen und so bereite ich mich schon um 6:20 auf den Tag vor.

Turn 1: Nach dem ersten Umlauf steht fest, dass ich mit einem Kollegen die Gruppe tausche. Der Wechsel fühlt sich für mich gut an, da ich nicht permanent auf andere Teilnehmer im Pulk auflaufe und der Kollege etwas „Fahrt“ rausnehmen kann und trotzdem eher überholt als auf letzter Rille überholt zu werden. Gesagt, getan. Somit beim Veranstalter schnell den Gruppenwechsel koordiniert, weiter gehts.

Turn 2: Es läuft gut… allerdings lockert sich permanent die linke Fussraste, sodass ich nach jedem Turn kontrollieren muss, ob noch alles an Ort und Stelle ist.

Turn 3 & 4 & 5: es geht weiter, die Rundenzeiten werden schneller…

Turn 6: Bei der Ausfahrt, reißt mir in der Boxengasse die Fussraste erneut ab. Anscheinend hat die Halteschraube zum einen etwas beim Rutscher abbekommen, zum anderen war sie auch nicht mehr die Neuste … Materialermüdung.

Fun Fact: Wir suchen mit 3 Personen die halbe Boxengasse ab, bis wir die davon geflogene Fussraste in der Regenrinne kurz vor Absturz bergen können. Man darf auch mal Glück im Unglück haben…

Somit endet die Fahrzeit am 2. Tag für mich früher etwas früher als erwartet, dafür steigt die Arbeitszeit für den technischen Dienst nach der Benutzung, damit es am 3. Tag wieder rund laufen kann.

Glücklicherweise habe ich noch passende Ersatzschrauben dabei und das Problem ist schnell gefixed. Zum anderen habe ich auch die Ersatzmaschine (750er GSXR) wieder hergestellt, sodass sie wieder einsatzbereit ist.

Fazit: „E’drobbe Ale“ muss hier und da mal dran. Ein schöner Trainingstag mit kleineren Korrekturen. Die Strecke ist „reifenschonend“. Der Vorderreifen Pirelli Diablo SC3 zeigt kaum Verschleiß, ebenso wie der Hinterreifen Bridgestone V02.

Am Abend gibt es noch vom Veranstalter S.T.E.I.L Racing „Rennwurst und Pistenbier“ für alle Teilnehmer. So lassen wir gemeinsam beim „Spritgespräch“ den Abend ausklingen.

Tag 3: Nach einer kurzen Nacht geht es erst einmal unter die Dusche um fit zu werden. Parallel werden die Gruppen nochmals neu sortiert, nachdem am gestrigen Tag die Zeiten schneller geworden sind (1:49,500). Irgendwie sind dadurch die schnelleren Gruppen stärker besetzt und bei der „Anfängergruppe“ ist die Fahreranzahl überschaubar.

Turn 1: Der Tag fängt gut an. Es läuft harmonisch. Wir fahren unsere Runden, wenig Verkehr. Die Kupplung hält, das Bike schiebt, 270 km/h auf der Gegengeraden bevor es in die schnelle Rechtskurve geht…

Turn 2: Die GoPro wird ausgepackt, mal schauen ob eine brauchbare Aufnahme zu Stande kommt.

Turn 3: Die ersten Aufnahmen sind im Kasten. Zwar haben sich ein paar Teilnehmer mal dazwischen gedrängelt, aber es sich gut und problemlos aus.

Mittagspause

Turn 4: Die letzten Runden nähern sich. Das merkt man auf der Strecke. Einige Protagonisten haben „Messer zwischen den Zähnen“ und versuchen an den unmöglichsten Stellen zu überholen. Hauptsache reingebremst, auch wenn man die Linie nicht halten kann. Naja, muss man sich eben davon fernhalten…

Turn 5: Unser letzter Turn hat begonnen. Am Ende steht eine optimierte Zeit für mich auf der Uhr: 1:48,8… dh, nochmal etwas verbessert. In 3 Tagen ~3,5 Sekunden gefunden.

Turn 6: Lassen wir alle konditionsbedingt ausfallen und widmen uns dem Abbau. Denn nach dem Abbau haben wir mindestens noch fast 3 Std. Rückfahrt vor uns.

Fazit: Eine 3-Tagesveranstaltung ist schon sehr intensiv und bei warmem Wetter konditionell durchaus herausfordernd. Der Circuit de Mirecourt ist eine teilweise schnelle, harmonische und abwechslungsreiche Strecke wie ich finde, auf die wir sicherlich zurückkommen werden.

Kupplungs-Check vor Mirecourt

Die rutschende Kupplung macht mir echt Sorgen, da ich weder einen Prüftstand noch eine geeignete Teststrecke zur Verfügung habe. Da die Kupplung, lt. Rechnung Vorbesitzer, erst 3.500km gelaufen ist, sagt mir jeder Experte, dass der Verschleiß sich in Grenzen halten SOLLTE und nicht das auschlaggebende Kriterium ist. Also gilt ausprobieren…

Aktuell verbaute Kupplungs-Teile:

  • TRW Reibscheibenkit Racing
  • TRW Stahlscheibenkit
  • EBC Kupplungsfedern (10% härter) inkl. Dichtung
  • Motoröl Motul 5100 10W-50
  • Ölfilter Hiflo

Nach ein paar Recherchen und Videos später, gebe ich die GSXR in vertrauensvolle Werkstatthände.

Nach erfolgreichem zerlegen, zusammensetzen und mehrfachem Überprüfen (Prüfstand) der Kupplung, war wohl der ausschlaggebende Punkt… die Feinjustierung der Anti-Hopping-Kupplung.

Die Feinjustierung der 3 Schrauben hat, nach aktuellem Stand, anscheinend die Wende gebracht und sieht sehr vielversprechend aus.

Der Kupplungsverschleiß ist minimal, die Federn neu, das korrespondierende Öl wurde „aufgefangen und refilled“.

Mirecourt wird zeigen, ob die Feinjustierung wirkt …